Zum Inhalt springen
Gut Stohrerhof Riederau am Ammersee

Journal · Ammersee & Umgebung

Auf den Spuren der Wessobrunner: Ein Tag im Pfaffenwinkel

Langer Gang im Kloster Wessobrunn mit reichem Stuck an der gewölbten Decke und hellem Steinboden

Im Jahr 1126 wird Riederau zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt: Konrad von Holzhausen übergibt seinen Besitz dem Kloster Wessobrunn. In diesem Jahr ist das genau 900 Jahre her. Und im Garten unseres Hofs steht bis heute ein Getreidekasten, den der Wessobrunner Zimmermeister Veit Üblhör 1696 gebaut hat. Gründe genug, an einem stillen Herbsttag einmal dorthin zu fahren, wo diese Geschichte herkommt: in den Pfaffenwinkel, südwestlich des Ammersees. Hier ist unser Vorschlag für einen Tag zwischen Kloster, Eibenwald und dem Hohen Peißenberg.

Wessobrunn: ein Kloster, ein Gebet, eine Linde

Von Riederau fahren Sie über Dießen nach Süden, und schon nach kurzer Zeit liegt Wessobrunn vor Ihnen, ein kleiner Ort mit großer Geschichte. Der Legende nach hat Herzog Tassilo III. das Kloster im Jahr 753 gegründet, an der Stelle einer Quelle, die ihm im Traum erschienen war. Bis zur Säkularisation 1803 lebten hier Benediktiner.

Weit über Bayern hinaus bekannt ist der Ort durch das Wessobrunner Gebet. Um 800 aufgeschrieben, gilt es als eines der ältesten Zeugnisse deutscher Sprache. Neun stabreimende Verse erzählen von der Zeit vor der Schöpfung, als es weder Erde noch Himmel gab, weder Baum noch Berg noch Sonne. Die Handschrift lag über Jahrhunderte in der Klosterbibliothek und wird heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München verwahrt.

Vor der Klostermauer steht die Tassilolinde, deren Alter auf über 700 Jahre geschätzt wird. Im Herbst, wenn das Laub fällt, sieht man erst, wie mächtig ihr Stamm und ihre Äste sind.

Die Schule der Stuckateure

Im 17. und 18. Jahrhundert war Wessobrunn ein Zentrum des Handwerks. In den Werkstätten rund um das Kloster lernten über 600 Maler, Baumeister und Stuckateure ihr Fach, darunter Johann Schmuzer, die Familie Feichtmayr und die Brüder Zimmermann. Als „Wessobrunner“ arbeiteten sie in Kirchen und Schlössern weit über den Pfaffenwinkel hinaus.

Wie fein diese Arbeit war, zeigt der Tassilosaal im Fürstentrakt des Klosters: Blumen, Lorbeer, Eichenlaub und Weinranken, dazwischen Hirsch, Hase und Hund, alles aus Stuck. Die Klosterräume sind nur bei einer Führung zu sehen. Die aktuellen Zeiten erfragen Sie am besten vorab direkt beim Kloster.

Auch unser Getreidekasten gehört in diese Welt des Handwerks. Veit Üblhör hat ihn 1696 gebaut, 1971 kam er aus Pessenhausen bei Rott in den Garten des Stohrerhofs.

Unter alten Eiben bei Paterzell

Nur wenige Kilometer von Wessobrunn entfernt liegt bei Paterzell einer der eindrucksvollsten Wälder der Region. Mehr als 2.000 Eiben wachsen hier, viele davon Jahrhunderte alt. Es ist einer der größten zusammenhängenden Eibenbestände Deutschlands. Schon 1913 wurde der Wald zum Naturdenkmal erklärt, 1939 zum Naturschutzgebiet.

Ein Lehrpfad von rund einem Kilometer mit zehn Tafeln führt hindurch, wer mehr Zeit hat, verlängert die Runde. Ausgangspunkt ist Paterzell, dort können Sie auch parken. Gerade im Spätherbst, wenn die Laubbäume kahl sind, fällt das dunkle Grün der Eiben besonders auf.

Alte Eibe mit tief gefurchtem Stamm im Eibenwald bei Paterzell

Hinauf auf den Hohen Peißenberg

Von Paterzell ist es nicht weit zum Hohen Peißenberg, mit 988 Metern der höchste Gipfel im oberbayerischen Alpenvorland. Oben steht die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, 1619 vollendet, neben der älteren Gnadenkapelle von 1514.

Der Berg hat noch eine zweite Geschichte: Seit dem 1. Januar 1781 wird hier das Wetter gemessen, anfangs von Augustiner-Chorherren, seit 1952 vom Deutschen Wetterdienst. Es ist eine der längsten Messreihen der Welt. Ein Infopavillon am Gipfel erzählt davon und ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet.

An klaren Tagen reicht der Blick rund 200 Kilometer weit über die Alpenkette, vom Grünten bis zu den Chiemgauer Alpen, mit der Zugspitze mittendrin. Nach Norden sehen Sie über den Pfaffenwinkel bis zum Ammersee.

Blick aus dem Flugzeug auf dem Weg zur Zugspitze: das Alpenvorland am Peißenberg mit einem See, dahinter die Alpen

Unser Vorschlag für den Tag

  • Vormittags in den Eibenwald bei Paterzell, die kleine Runde dauert etwa eine Stunde
  • Mittags hinauf auf den Hohen Peißenberg, zur Wallfahrtskirche und zum Rundblick
  • Nachmittags nach Wessobrunn zur Tassilolinde und, nach vorheriger Anfrage, zur Klosterführung
  • Wer noch weiter möchte: die Wieskirche bei Steingaden ist im November von 8 bis 17 Uhr geöffnet, außer während der Gottesdienste

Abends zurück am Ammersee

Wenn es früh dunkel wird, sind Sie schnell wieder in Riederau. Im Wohnzimmer im 1. Obergeschoss und in der Lounge brennt der Kamin, in der Bauernstube wärmt der Grundofen. Am vergrößerbaren Stubentisch sitzen mit einem Beistelltisch alle bis zu 15 Gäste an einer Tafel. Und wer mag, macht vor dem Essen noch einen Schritt in den Garten, zum Getreidekasten aus Wessobrunner Hand.

Ob Sie mit Familie und Freunden kommen oder mit einem kleinen Team: Auf dem Hof sind Sie immer unter sich, im Haupthaus ebenso wie im Gutshof komplett. Den Preis für Ihren Zeitraum sehen Sie sofort im Kalender. Wir freuen uns auf Sie.

Weiterlesen im Journal

Verfügbarkeit prüfen

1 bis 15 Gäste
Preis nach Auswahl der Reisedaten
Verfügbarkeit prüfen